Wie man misst, was keine Position hat
Kurzantwort
KI-Sichtbarkeit wird gemessen, indem ein fester Satz problemorientierter Kundenfragen wiederholt in mehreren Systemen gestellt und protokolliert wird, welche Anbieter genannt werden und auf welche Quellen sich die Antwort stützt. Daraus ergibt sich eine Nennungsquote. Einzelne Abfragen schwanken zu stark, um daraus etwas abzuleiten.
Warum die gewohnten Messgrößen hier nicht greifen
Bei Google gibt es Positionen. Platz 3 heute, Platz 5 morgen, das ist vergleichbar und wird automatisch erfasst.
Bei generativen Systemen gibt es nichts davon. Es gibt kein öffentliches Verzeichnis, keinen Index, den man abfragen kann, und keine Platzierung. Es gibt nur: Ihr Name kam in dieser Antwort vor oder nicht.
Dazu kommt, dass Antworten schwanken. Dieselbe Frage, zweimal gestellt, kann unterschiedliche Anbieter nennen. Das liegt an der Funktionsweise der Systeme und lässt sich nicht abstellen. Wer einmal fragt und daraus etwas ableitet, misst Zufall.
Was die beiden Disziplinen sonst trennt, steht unter Unterschied zwischen SEO und GEO.
Die Methode
1. Fragen festlegen. Zehn Fragen, so formuliert, wie ein Interessent sie stellen würde. Problemorientiert, nicht markenorientiert. Die Fragen bleiben über die Messungen hinweg gleich, sonst ist nichts vergleichbar.
2. Den eigenen Namen weglassen. Eine Suche nach Ihrer Firma zeigt nur, ob das System Sie kennt. Das ist etwas anderes als die Frage, ob es Sie empfiehlt.
3. Mehrere Systeme. Mindestens ChatGPT, Perplexity und Google AI. Sie gewichten Quellen unterschiedlich, und ein Unternehmen kann in einem vorkommen und in den anderen nicht. Wie das größte der drei Systeme seine Quellen wählt, steht unter Sichtbarkeit in ChatGPT.
4. Mehrfach stellen. Jede Frage mehrmals, in getrennten Sitzungen ohne Vorgeschichte. Erst daraus wird eine Quote statt einer Momentaufnahme.
5. Protokollieren, was zählt. Wer wurde genannt, in welcher Reihenfolge, und auf welche Quellen stützt sich die Antwort. Der letzte Punkt ist der wertvollste, weil er zeigt, woran gearbeitet werden muss.
6. Wiederholen. Nach acht bis sechzehn Wochen mit denselben Fragen. Vorher zeigen sich Veränderungen selten stabil.
Welche Kennzahlen sich daraus ergeben
Nennungsquote. In wie viel Prozent der Antworten kommt Ihr Unternehmen vor. Die wichtigste Zahl.
Position innerhalb der Antwort. Erstgenannter oder vierter. Weniger wichtig als bei Google, aber nicht egal.
Quellenanteil. Wie oft wird Ihre eigene Website als Quelle angeführt, wie oft andere Seiten, auf denen Sie vorkommen.
Wettbewerbsbild. Welche drei bis fünf Anbieter besetzen die Antworten in Ihrem Markt. Das ist oft die aufschlussreichste Erkenntnis der ganzen Messung.
Abdeckung nach Thema. Bei welchen Fragen kommen Sie vor, bei welchen nicht. Daraus ergibt sich direkt, welche Seiten fehlen. Wie diese Seiten aufgebaut sein müssen, steht unter Website für KI optimieren.
Brauchen Sie ein Monitoring-Tool
Es gibt inzwischen Plattformen, die diese Messungen automatisiert und fortlaufend durchführen. Sie sind nicht falsch, aber sie kommen für die meisten Unternehmen zu früh.
Sinnvoll, wenn Sie bereits an den Inhalten gearbeitet haben und Veränderungen über Monate belegen wollen, wenn mehrere Marken oder Standorte beobachtet werden sollen, oder wenn Sie intern Rechenschaft über die Entwicklung geben müssen.
Zu früh, wenn die Grundlagen noch fehlen. Ein Dashboard, das zwölf Monate lang anzeigt, dass Sie nicht genannt werden, kostet Geld und ändert nichts. Erst messen, dann bauen, dann dauerhaft überwachen.
Für die erste Standortbestimmung reicht die Methode oben. Sie lässt sich auch von Hand durchführen, mit etwas Geduld und einer Tabelle.
Die häufigsten Messfehler
Nach dem eigenen Namen fragen. Misst Bekanntheit im Trainingsmaterial, nicht Empfehlung.
Mit Vorgeschichte messen. Wenn Sie in derselben Unterhaltung vorher über Ihr Unternehmen gesprochen haben, ist das Ergebnis wertlos.
Einmal messen. Eine Abfrage ist eine Stichprobe von eins.
Nur ein System. Was in Perplexity gut aussieht, kann in ChatGPT fehlen.
Fragen ändern. Wer zwischen zwei Messungen die Fragen anpasst, vergleicht nichts.
Zu früh nachmessen. Nach zwei Wochen hat sich selten etwas stabil verändert.
Wie wir das machen
Im KI-Sichtbarkeits-Check stellen wir Fragen aus Ihrem Markt in ChatGPT, Perplexity und Google AI und zeigen Ihnen im Video, wer genannt wird und worauf sich die Antworten stützen. Innerhalb von zwei Werktagen, ohne Berechnung, ohne Termin.
In laufenden Mandaten wiederholen wir die Messung mit denselben Fragen, damit sich Veränderungen belegen lassen. Wir verkaufen keine Monitoring-Plattform und bekommen von keinem Anbieter Provision.
Häufige Fragen
Wie kann ich meine KI-Sichtbarkeit messen?
Warum schwanken die Antworten?
Kann ich einfach nach meinem Firmennamen suchen?
Welche Systeme sollte ich prüfen?
Wie oft sollte gemessen werden?
Lohnt sich ein Monitoring-Tool?
Gibt es ein kostenloses Tool dafür?
Fünf Sätze, die für sich stehen
- KI-Sichtbarkeit hat keine Position und keinen Index; gemessen wird über eine Nennungsquote bei festen Fragen.
- Eine Suche nach dem eigenen Firmennamen misst Bekanntheit, nicht Empfehlung.
- Antworten generativer Systeme schwanken zwischen Abfragen, deshalb ist eine Einzelmessung wertlos.
- Veränderungen zeigen sich typischerweise erst nach acht bis sechzehn Wochen stabil.
- Ein Monitoring-Dashboard ist sinnvoll, sobald die inhaltlichen Grundlagen stehen, vorher nicht.
Thorsten Schilawa
Seit 2009 SEOVISION, Beratung für Sichtbarkeit und KI im Mittelstand, Auetal.